Cybersicherheit im Wandel: Warum der Mittelstand über „Assume Breach“ hinausdenken muss

Cyberkriminelle haben den Mittelstand längst ins Visier genommen. Klassische Abwehrstrategien, die vor allem auf Schadensbegrenzung nach einem Angriff setzen, greifen nicht mehr. Jetzt ist die Zeit, proaktiv zu handeln – mit neuen Technologien, Kooperationen und einem strategischen Blick auf Compliance.

Der Mittelstand gilt als Rückgrat der deutschen Wirtschaft. Hunderttausende von Unternehmen vom produzierenden Betrieb über spezialisierte Zulieferer bis hin zu innovativen Dienstleistern tragen entscheidend zu Wachstum und Beschäftigung bei. Doch gerade diese Unternehmen geraten zunehmend unter Beschuss. Für Angreifer stellen sie ein lohnendes Ziel dar: Sie verfügen über wertvolle Daten, sind Teil sensibler Lieferketten, verfügen jedoch selten über die Sicherheitsbudgets oder Expertenteams von großen Konzernen.

Über viele Jahre hinweg haben Firmen IT-Sicherheit vor allem reaktiv verstanden. Sicherheitsabteilungen reagierten, wenn Schadsoftware bereits zugeschlagen hatte. Sicherheitslücken wurden erst geschlossen, nachdem ein Angriff sie offengelegt hatte. Und Vorfälle wurden aufgearbeitet, sobald der Schaden eingetreten war. Doch dieser Modus ist in einer Zeit professionell organisierter Cyberkrimineller nicht länger tragfähig. Angesichts immer neuer Angriffsmethoden, KI-gestützter Phishing-Kampagnen und massenhaft gehandelter Zugangsdaten drohen Unternehmen sonst, den Anschluss zu verlieren.

Angriffsziel Mittelstand: Bedrohungslage verschärft sich

Cybercrime hat sich in den vergangenen Jahren zu einem hochprofessionalisierten Geschäft entwickelt. Gruppen wie Ransomware-Kartelle, Business-Email-Compromise-Akteure (BEC) oder sogenannte „Initial Access Broker“ haben klare Geschäftsmodelle etabliert. Letztere konzentrieren sich darauf, den ersten Zugang in Unternehmensnetzwerke zu erlangen und diesen dann auf Marktplätzen weiterzuverkaufen. So entsteht ein arbeitsteiliges Ökosystem, in dem Angriffe effizienter und gezielter ablaufen.

Für Mittelständler ist diese Entwicklung besonders gefährlich. Denn während sie hochattraktive Ziele darstellen, fehlt es ihnen oft an spezialisierten Security-Teams oder 24/7-Sicherheitsüberwachung. Ein weiterer Risikofaktor: Viele dieser Unternehmen sind in kritische Lieferketten eingebunden, etwa in der Automobil-, Pharma- oder Energiebranche. Ein erfolgreicher Angriff kann hier Dominoeffekte mit massiven wirtschaftlichen Folgen auslösen.

Exposure Management: Die Angriffsfläche mit den Augen des Hackers sehen

Lange Zeit galt das klassische Schwachstellenmanagement als Königsweg: Systeme wurden gescannt, offene Sicherheitslücken dokumentiert und anschließend oft in langen Listen abgearbeitet. Doch in der Praxis fehlt es in den meisten IT-Abteilungen an Zeit und Ressourcen, um diese Schwachstellenflut systematisch zu beheben.

Genau hier setzt ein neuer Ansatz an: Exposure Management. Statt wahllos Schwachstellen zu katalogisieren, wird die eigene Infrastruktur konsequent aus Angreiferperspektive betrachtet. Tools wie WithSecure Elements Exposure Management simulieren Angriffe auf Netzwerke und Anwendungen, um zu zeigen, welche Schwachstellen tatsächlich kritisch sind, wie ein Angriff ablaufen könnte und welche Kette von Ereignissen einen erfolgreichen Einbruch ermöglichen würde.

Der entscheidende Vorteil: Unternehmen können ihre knappen Security-Ressourcen dort einsetzen, wo sie den größten Effekt erzielen. Nicht jede veraltete Softwarebibliothek stellt ein akutes Risiko dar. Aber eine öffentlich erreichbare Anwendung mit schwacher Authentifizierung kann binnen Stunden von automatisierten Bots ausgenutzt werden. Die Priorisierung nach realem Angriffsrisiko ist damit ein echter Game Changer für den Mittelstand.

Neue Angriffsflächen: Cloud und Identitäten

Die Bedrohungslage verschiebt sich dynamisch. Während klassische Infektionen über verseuchte Office-Dokumente abnehmen, gewinnen neue Einfallstore an Bedeutung. Analysen von WithSecure Intelligence zeigen: Cloud-Umgebungen, Identitätssysteme wie Active Directory, MacOS-Endpunkte sowie browserbasierte Anwendungen werden immer häufiger attackiert.

Besonders besorgniserregend ist die Zunahme gestohlener Zugangsdaten als Eintrittspforte. Bei rund 16 Prozent der jüngsten Sicherheitsvorfälle waren kompromittierte Passwörter die Ursache – Tendenz steigend. In hybriden Arbeitsumgebungen mit Remote-Zugriffen und Cloud-Diensten ist Identitäts- und Zugriffsmanagement daher zur Schlüsseldisziplin geworden. Starke Authentifizierung, durchdachte Zugriffsrechte und User-Behavior-Analytics sind keine Kür mehr, sondern Pflicht.

Compliance: Vom Pflichtprogramm zum Wettbewerbsvorteil

Viele Mittelständler empfinden Regularien wie NIS2, DORA oder die DSGVO vor allem als bürokratische Last. Doch wer Compliance nur als Kostenfaktor betrachtet, vergibt Chancen. Unternehmen, die regulatorische Anforderungen frühzeitig und systematisch umsetzen, schaffen Vertrauen bei Kunden und Partnern – ein entscheidender Faktor insbesondere in regulierten Branchen wie Gesundheitswesen, Finanzwirtschaft oder kritischer Infrastruktur.

Der Ansatz „Compliance by Design“ bedeutet, dass Datenschutz- und Sicherheitsanforderungen von Beginn an in Produkte, Prozesse und Infrastrukturen eingebaut werden. Das spart langfristig Kosten, steigert Effizienz und reduziert Risiken. Plattformen wie WithSecure Elements haben diesen Ansatz in ihrer Architektur verankert und unterstützen Unternehmen dabei, nicht nur gesetzeskonform, sondern auch wettbewerbsfähig zu bleiben.

Co-Security: Sicherheit im Verbund

Ein weiteres Hindernis für den Mittelstand ist der akute Fachkräftemangel. Viele Firmen haben weder die finanziellen Mittel noch die Attraktivität, um hochqualifizierte Security-Spezialisten dauerhaft zu binden. Hier setzt das Prinzip der Co-Security an: Sicherheitsaufgaben werden gemeinsam mit spezialisierten Partnern getragen.

Managed-Security-Provider, Integratoren oder Security-Hersteller bringen nicht nur Expertise ein, sondern auch aktuelle Bedrohungsinformationen, 24/7-Support und skalierbare Services. Das Ergebnis ist ein Multiplikatoreffekt: Jedes einzelne Unternehmen profitiert von der kollektiven Intelligenz und Widerstandskraft des Netzwerks. Für den Mittelstand bedeutet dies einen erheblichen Zugewinn an Sicherheit, ohne dass intern große Teams aufgebaut werden müssen.

Generative KI: Gefahr und Rettung zugleich

Kaum eine Technologie verändert Cybersecurity derzeit so stark wie Generative AI (GenAI). Auf Angreiferseite entstehen täuschend echte Phishing-Mails, automatisierte Schwachstellenscans und sogar polymorphe Malware, die ihre Signaturen ständig verändert und so klassische Abwehrmechanismen umgeht.

Doch Verteidiger nutzen dieselbe Technologie ebenfalls. Mit Lösungen wie dem KI-Assistenten Luminen innerhalb der WithSecure Elements Plattform werden Risiken nicht nur erkannt, sondern verständlich erklärt, priorisiert und mit konkreten Handlungsempfehlungen versehen. Besonders für überlastete IT-Teams im Mittelstand ist dies eine wertvolle Entlastung.

Noch einen Schritt weiter gehen autonome KI-Agenten, die Netzwerke überwachen, kompromittierte Systeme automatisch isolieren und in Echtzeit Gegenmaßnahmen einleiten. Sie agieren mit Maschinen-Geschwindigkeit – und bieten damit einen Vorgeschmack auf die Zukunft der Cyberabwehr.

Wichtig ist dabei ein verantwortungsvoller Einsatz. WithSecure etwa setzt klare Leitplanken: Daten bleiben in Europa, werden anonymisiert und isoliert verarbeitet, und die Sprachmodelle sind so eingeschränkt, dass weder „Halluzinationen“ noch Datenabflüsse drohen. Gerade für hochregulierte Branchen ist dies ein entscheidender Faktor.

Fazit: Proaktiv ist das neue Normal

Die Zeit der reaktiven Cybersecurity ist vorbei. Für Europas Mittelstand wird proaktives Handeln zur Überlebensfrage. Wer jetzt auf Exposure Management, Co-Security-Partnerschaften und KI-gestützte Abwehr setzt, verschafft sich nicht nur Sicherheit, sondern auch einen handfesten Wettbewerbsvorteil.

Denn in einem digitalen Europa, das immer stärker von Vertrauen, Agilität und Innovationskraft geprägt sein wird, sind resiliente und zukunftsfähige Unternehmen diejenigen, die rechtzeitig den Schritt von der Reaktion zur Prävention vollziehen.

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