Cybersecurity ist Chefsache – Der Podcast! mit Simeon Mussler

Intro: Cybersecurity ist Chefsache. Nehmen Sie die Digitalisierung und Cybersicherheit in ihre Hand! Nur hier kommen alle Experten aus der Branche zusammen und sprechen über ihre Erfahrungen, die neuesten Themen und praktische Anwendungen von und mit dem Experten für Digitalisierung und Cybersecurity, Nico Werner.

Nico Werner: Hallo und herzlich willkommen zu einer neuen Folge von „Cybersecurity ist Chefsache – Der Podcast!“. Heute mit Simeon von CyberCompare. Hi Simeon, wie geht’s dir?

Simeon Mussler: Hi Nico, freue mich sehr dabei zu sein und freue mich auf eine gute Diskussion mit dir.

Nico Werner: Das freut mich auch besonders für diejenigen, die Bosch CyberCompare noch nicht kennen. In meiner früheren Position hatte ich viel mit euch zu tun und habe euch als so etwas wie das Check24 der Cybersecurity Welt wahrgenommen. Ich war damals auch in vielen Ausschreibungen involviert und finde es daher faszinierend zu sehen, wie sich eure Firma entwickelt hat. Heute haben wir ein interessantes und eher seltenes Thema in dieser Podcast-Reihe. Unsere Community konnte sich nicht einigen, über welches Thema wir sprechen sollten. Wir hatten drei spannende Optionen: den undurchsichtigen Security-Markt, das Thema OT und IT Security, sowie das Thema CISOs unter Druck. Tatsächlich wurden alle gleich bewertet. Als Gast habe ich nun die ehrenvolle Aufgabe, zu entscheiden, welches Thema wir behandeln. Da das undurchsichtige Thema des Cybersecurity Marktes mich besonders anspricht und ich euch in dieser Hinsicht kennengelernt habe, schlage ich vor, wir beginnen mit diesem. Bevor wir jedoch starten, könntest du vielleicht kurz etwas über dich erzählen und welche Rolle du bei Bosch CyberCompare spielst?

Simeon Mussler: Vielen Dank! Ja, ich musste bei LinkedIn schmunzeln, als ich gesehen habe, dass es einen Gleichstand mit 33 Prozent für alle Optionen gibt – das finde ich gut. Natürlich können wir auch die anderen Themen anschauen; alle drei sind meiner Meinung nach interessant. Kurz zu meiner Person: Ich bin Simeon, habe als Produktionsingenieur bei Bosch begonnen und Automatisierungstechnik sowie neue Maschinen in die Boschwerke gebracht. Im Laufe der Zeit habe ich mich auch mit dem Thema OT und OT Security beschäftigt, quasi als Quereinstieg. Nach einer Phase in der Beratung ergab sich die Möglichkeit, mit einer damals noch kleinen, inzwischen stark gewachsenen Gruppe CyberCompare innerhalb der Bosch Gruppe aufzubauen. Das haben wir getan, und wir arbeiten nun seit zweieinhalb Jahren daran.

Mein tägliches Tun besteht darin, den Dschungel für unsere Kunden zu entwirren. Das beinhaltet klassisch die Beschaffung von Security-Lösungen, sprich den Angebotsvergleich. Natürlich gibt es auch Querschnittsthemen. Zusätzlich trage ich Verantwortung für einen Teil des Marketings, jedoch immer im Team. Aber ich schätze, etwa 60 bis 70 Prozent meiner Zeit verbringe ich mit Kundenprojekten, ganz klassisch.

Nico Werner: Wenn ich da gleich anknüpfen darf – so habe ich euch auch damals kennengelernt. In meinem früheren Unternehmen habt ihr euch die Aufgabe gestellt, den undurchsichtigen Security-Markt zu ordnen. Eure Initiative bietet Unternehmen die Möglichkeit, Herausforderungen im Bereich Cybersecurity zu bewältigen und passende Partner zu finden. Ihr fungiert als Vermittler zwischen Unternehmen mit spezifischen Anforderungen und Partnern im Bereich Cybersecurity. Das erinnert mich an Vergleichsseiten, auf denen man nach etwas sucht und am Ende einen passenden Anbieter auswählen kann. Besonders faszinierend fand ich damals, dass ihr diesen Ansatz sehr technisch angeht. Auch wenn ich nicht im Detail über Kundenprojekte sprechen kann, hat mich beeindruckt, dass ihr sogar Ausschreibungen durchführt. Ist das der Grund für euer beeindruckendes Wachstum in den letzten Jahren? Was macht eurer Meinung nach die Erfolgsgeschichte von CyberCompare aus, abgesehen davon, dass ihr nicht nur ein klassischer Vermittler seid, sondern euch auch technisch fundiert engagiert?

Simeon Mussler: Wir glauben daran, dass der entscheidende Punkt im Mehrwert für den Kunden liegt. In Zeiten von Vergleichsplattformen besteht bereits die Möglichkeit, auf einer oberen Ebene zu vergleichen. Unsere Herangehensweise mag nicht revolutionär erscheinen, indem wir einfach Produkte nebeneinanderstellen, aber unser Ziel ist es, für den Kunden das Beste oder das beste Preis-Leistungsverhältnis zu finden. Dabei berücksichtigen wir stets die individuellen Bedürfnisse und die vorhandene Infrastruktur des Kunden. Der Markt für Cybersicherheit entwickelt sich rasant weiter, was zwar zu verbesserten Abwehrmechanismen führt, jedoch auch zu erhöhter Komplexität und Fragmentierung. Im Vergleich zu anderen Bereichen, in denen mehr Transparenz herrscht, stellt der Cybersicherheitsmarkt eine Herausforderung dar. Insbesondere für den gehobenen Mittelstand mit 2000-3000 Mitarbeitenden, unserer häufigsten Kundengröße, gestaltet sich dies als komplex. Oft verfügt dieses Segment nur über ein bis drei Personen, die sich mit IT-Sicherheit beschäftigen können und nicht den gesamten Marktüberblick haben. Unser Ansatz besteht darin, diese beiden Welten zu vereinen: Den Markt zu verstehen und den Kunden durch den gesamten Entscheidungsprozess zu begleiten, sowohl technisch als auch kommerziell. Gemeinsam identifizieren wir die bestmögliche Lösung für den Kunden.

Ursprünglich für den Mittelstand konzipiert, haben wir festgestellt, dass unser Ansatz auch für größere Unternehmen funktioniert. Diese schätzen es, dass sie sich nicht selbst um die Implementierung kümmern müssen, insbesondere weil Cybersicherheit oft nur alle paar Jahre erneuert wird. Mit mehrjährigen Verträgen lohnt es sich nicht, die Expertise intern aufzubauen. Daher ist unser Ansatz nicht nur effektiv, sondern auch effizient.

Nico Werner: In der jüngsten Zeit haben wir alle festgestellt, dass der Markt, insbesondere im Bereich OT, enorm gewachsen ist. In Anbetracht dessen, wo siehst du derzeit die größten Herausforderungen für Unternehmen? Du hast bereits betont, dass ihr euch darauf konzentriert, für eure Kunden da zu sein und Lösungen anzubieten. Wo genau siehst du die Hürden in diesem dynamischen und undurchsichtigen Markt?

Simeon Mussler: Auf dem sich rasant entwickelnden Markt der Informationssicherheit gibt es zahlreiche Herausforderungen, von denen einige nicht zu unterschätzen sind. Ein grundlegender Aspekt ist die Notwendigkeit, die bewährte Einkaufshygiene zu wahren. Vergleichbare Angebote sollten eingeholt werden, und Unternehmen sollten in einen Wettbewerb miteinander treten, ähnlich wie es in anderen Kategorien praktiziert wird. Oftmals neigt man dazu, ein Produkt zu kennen und darauf basierend ein Lastenheft zu erstellen, was jedoch den Lösungsspielraum von Anfang an stark einschränkt. Ein weiterer entscheidender Faktor ist das Verständnis für den Markt und die Anpassung an verschiedene Vertriebsmodelle. Insbesondere im Bereich der Reseller-Strukturen ist es wichtig, eine effektive Konkurrenzsituation zu schaffen. Die Vielfalt der Vertriebsmodelle und -strukturen erfordert eine sorgfältige Überlegung, um sicherzustellen, dass die Auswahl den individuellen Bedürfnissen und Anforderungen entspricht. Die Vertriebsstruktur von Lösungen, einschließlich Managed-Services wie Security Operations Centers, basiert oft auf langjährigen Partnerschaften. Obwohl Vertrauen in der Sicherheitsbranche von entscheidender Bedeutung ist, sollte dies nicht als alleiniges Kriterium für die Auswahl von Dienstleistungen dienen. Ein umfassender Vergleich ist unerlässlich, um sicherzustellen, dass die Lösung nicht nur auf Vertrauen, sondern auch auf Effizienz und individuellen Anforderungen basiert. Abschließend ist zu beachten, dass eine beträchtliche Menge an Ressourcen in Marketing und Vertrieb investiert wird. Diese Ausgaben konzentrieren sich häufig auf eine kleine Kundengruppe, was aus Effizienzgründen nicht immer ideal ist. Wir halten es für relevant, dass Ressourcen effektiv genutzt werden. Dabei sollte Geld in die Produktentwicklung investiert werden, um innovative Lösungen anzubieten, anstatt es in einen ineffizienten Vertriebsprozess zu stecken.

Nico Werner: Da sprichst du mir aus der Seele. Im Bereich der Sicherheit fühlt es sich oft an, als würden wir Bingo spielen – mal ist künstliche Intelligenz das Top-Thema, mal sind es andere Trends, die aufkommen. Es ist wirklich schwierig für Kunden und Unternehmen, den Überblick zu behalten und die richtige Beratung oder Lösungspartner zu finden. Wie kann ein Unternehmen entscheiden, ob ein Anbieter gut oder schlecht ist, ob er passt oder nicht? Der Security-Markt zeigt, dass er enorm lukrativ ist. Wir wissen alle, dass viele positive Entwicklungen passieren, auch im Rahmen von Gesetzen. Aber wir sind uns bewusst, dass die Dunkelziffer der Sicherheitsprobleme viel höher ist als das, was öffentlich bekannt ist. Was für mich noch besorgniserregender ist, ist der Umstand, dass einige versuchen, aus der Angst anderer Profit zu schlagen. Sie nutzen diese Ängste aus, um Geld zu verdienen, auf eine Art und Weise, die für diejenigen, die Hilfe benötigen, nicht erkennbar ist. Das ist ein Grund, warum der Security-Markt oft wie ein undurchsichtiger Dschungel wirkt. Es mangelt an Transparenz, und deshalb finde ich den Ansatz, neutral an die Lösungssuche heranzugehen, sehr interessant. Am Ende wollen wir alle unseren Anteil vom Kuchen, das ist klar. Aber die zentrale Frage ist: Was ist das Beste für ein Unternehmen? Und aus dieser Perspektive betrachtet, sehe ich es ebenso.

Simeon Mussler: Ich glaube, es geht darum, Transparenz in beide Richtungen zu schaffen. Auf Anbieterseite funktioniert die Zusammenarbeit bei uns gut, weil sie wissen, dass sie in Konkurrenz zueinanderstehen. Das führt dazu, dass sie sich möglicherweise besser positionieren wollen, aber auch klar darüber nachdenken, was der Kunde wirklich benötigt. Es ist ineffizient, wenn ein Vertriebsmitarbeiter beispielsweise versucht, eine SIEM-Lösung zu verkaufen, die der Kunde gar nicht braucht. Daher setzen wir oft ein vorgeschaltetes Konzept ein, das wir als „neutrale Zieldefinition“ bezeichnen. Bei Projekten fragen wir uns also: Was benötigt der Kunde wirklich? Nehmen wir das Beispiel Managed-SOC. Welche Lösung passt am besten zum Kunden? Ist der Kunde ein begeisterter Microsoft-User mit Defender? Dann könnte eine Sentinel-Lösung sinnvoll sein, eventuell ergänzt durch ein 24/7-Monitoring. Oder handelt es sich um ein Unternehmen mit hoher Dezentralisierung und starken regulatorischen Anforderungen, dass seine eigene SIEM-Lösung möchte, jedoch auch eine Managed-SOC-Lösung benötigt? Oder vielleicht hat der Kunde nur eine kleine Sicherheitsabteilung, begrenztes Budget und benötigt lediglich einen Log-Kollektor für die Datenübertragung und Auswertung von Alarmen mit Handlungsempfehlungen. Dieses vorgeschaltete Konzept reduziert die Komplexität im Ausschreibungsprozess erheblich. Wenn jeder Hersteller versucht, direkt mit dem Unternehmen zu sprechen, wird es überfordernd und möglicherweise ineffizient. Daher ist es wichtig, diese Vorüberlegungen anzustellen, um den Prozess für alle Beteiligten zu vereinfachen.

Nico Werner: Denkst du, dass euer Fokus nicht nur darauf liegt, Partner A mit Kunde A zu vermitteln, sondern vielmehr darin besteht, sich auf die Vorbereitung von beiden Seiten zu konzentrieren? Ich hatte den Eindruck, dass ihr euch Zeit nehmt und auch eine Art Beratung anbietet, um letztendlich zu einem guten Ergebnis zu gelangen. Mein erster Eindruck von eurem Team war, dass ihr nicht nur Leute seid, die oberflächlich arbeiten, sondern tatsächlich Experten wie du, die sich mit dem Bereich auskennen. Ihr führt Analysen durch, um zu verstehen, wie ihr das Thema am besten angeht, und geht nicht einfach den klassischen Weg einer einfachen Vermittlung von A nach B. Das war zumindest mein Eindruck damals.

Simeon Mussler: Genau, das ist wirklich spezifisch. Wenn ein Kunde sagt, dass er sich am Anfang seiner Reise befindet und keine klare Vorstellung hat, gehen wir zunächst in die Grundlagen. Ich denke, das gehört zu unserem Service, und mittlerweile können wir das auch effizient abwickeln. Im Bereich der Beratung klingt es immer so als wenn man dafür 20 Tage bräuchte, nur um ein Konzept zu erstellen. Aber typischerweise benötigen wir ein bis drei Workshops, um die notwendige Klarheit zu schaffen. Es ist nicht zielführend, jedes letzte Detail zu definieren, sondern es geht vielmehr darum, die Punkte zu klären, die später bei einem Angebotsvergleich und einer Ausschreibung als Unterscheidungsmerkmale dienen. Bei einem SOC kann ich beispielsweise fragen, ob es rund um die Uhr verfügbar ist. Das ist wichtig, aber noch wichtiger ist zu verstehen, wie es arbeitet und was es genau macht. Wie viele Analysten pro Schicht arbeiten dort? Wie gut ist das SOC mit meiner Endpoint-Lösung kompatibel? Welche Erfahrung hat das SOC mit solchen Lösungen? Solche Details sind von großer Relevanz. Wir konzentrieren uns stark auf diese Differenzierungsmerkmale, weil sie effizient zu bearbeiten sind und uns helfen, die Bedürfnisse des Kunden zu verstehen. Unser Ziel ist es nicht nur, ein gutes Angebot zu präsentieren, sondern einen Partner auszuwählen, der nicht nur in Bezug auf Preis-Leistung überzeugt, sondern auch hohe Erfolgsaussichten für das Projekt bietet. Wir nutzen das Feedback aus bestehenden Projekten, um diese Erfolgschancen zu erhöhen. Letztendlich können wir nicht mehr aktiv eingreifen, wenn das Projekt läuft, aber die Vorarbeit und Diskussionen, die wir im Vorfeld geführt haben, helfen uns dabei, den Gesamtprojekterfolg zu steigern. Unser Ziel ist es nicht nur, ein gutes Angebot zu erhalten, sondern den Gesamtprojekterfolg zu maximieren.

Nico Werner: Unabhängig von CyberCompare, was sind aus deiner Sicht Ratschläge für unsere Zuhörer – einige könnten ja auch potenzielle Kunden sein oder an diesem Thema interessiert sein -, welche grundlegenden Tipps würdest du empfehlen, um sich in diesem komplexen Bereich zurechtzufinden?

Basierend auf deiner Erfahrung mit Kunden, welche Basics würdest du empfehlen, um eine Art Orientierungshilfe in diesem Dschungel zu bieten?

Simeon Mussler: Es gibt zwei Aspekte, die ich ansprechen würde: zum einen Cybersecurity und zum anderen die Beschaffung. Beim Beschaffungsprozess halte ich es für wichtig, die grundlegenden Prinzipien einzuhalten, indem man vergleichbare Angebote einholt, Ergebnisse offenlegt und sich umfassend Mühe bei der Erstellung des Lastenhefts gibt. Es ist entscheidend, Angebote von verschiedenen Anbietern einzuholen und diese miteinander zu vergleichen, was häufig vernachlässigt wird. Im Bereich der Cybersicherheit ist der Startpunkt oft eine Risikoanalyse, bei der organisatorische und technische Maßnahmen abgewogen werden. Ein Notfallplan ist immer von Bedeutung. Wenn es um technische Aspekte geht, wäre heutzutage eine EDR-Lösung State-of-the-Art. Ein obligatorischer Penetrationstest sollte ebenfalls regelmäßig durchgeführt werden. Anschließend müssen unternehmensspezifische Aspekte berücksichtigt werden, wie beispielsweise der Umgang mit OT, KRITIS-Bereiche und weitere individuelle Anforderungen. Abschließend denke ich, dass sowohl organisatorische als auch technische Aspekte von großer Bedeutung sind. Man sollte keine Schwachstellen offenlassen, indem man beispielsweise in technische Lösungen wie NDR oder SOC investiert, aber gleichzeitig grundlegende Aspekte wie Mitarbeitersensibilisierung, ISMS und Notfallpläne vernachlässigt.

Nico Werner: Was ich besonders spannend finde und auch durch meine Erfahrungen mit verschiedenen Unternehmen festgestellt habe, ist das Thema Ausschreibungen. Oftmals müssen Unternehmen aufgrund ihrer Größe oder Beschaffungsrichtlinien Ausschreibungen durchführen, was ein zentrales Anliegen darstellt. Wie du schon erwähnt hast, ist beispielsweise das Lastenheft ein wichtiger Aspekt. Wenn ein Unternehmen ein SIEM oder ein SOC ausschreiben möchte, ist ein Proof of Concept für mich entscheidend. Ohne diesen ist es schwierig, die Rahmenbedingungen zu kennen. Hier liegt häufig das Problem im Bereich der Cybersicherheit: Unternehmen müssen ausschreiben, aber ihnen fehlt oft sowohl das Fachwissen als auch das Verständnis dafür, wie sie dies effektiv gestalten können. Das spiegelt sich oft in den Ausschreibungen wider, in denen ich als Experte häufig festgestellt habe, dass manche Angebote nicht mit gutem Gewissen eingereicht werden können. Entweder wegen eines hohen Risikos oder weil aufgrund der Ausschreibung klar wird, dass die vorgeschlagene Lösung so nicht funktionieren kann. Dies führt dazu, dass Unternehmen dann oft auf Dienstleister zurückgreifen, die Werbung machen und Hilfe anbieten, aber vielleicht nicht den Beratungsaspekt oder die tatsächliche Lösungsfähigkeit im Fokus haben. Hier sehe ich viele Probleme im Cybersecurity-Markt, insbesondere im Umgang mit Lastenheften, wo häufig Schwierigkeiten auftreten können.

Simeon Mussler: Es ist absolut richtig, dass ein Proof of Concept im Nachhinein Sinn macht, aber dafür benötigt man auch ein gewisses Fachwissen, um es zu managen. Man muss wissen, welche Szenarien für einen solchen PoC relevant sind. Das unterstützt deine Aussage, und ich sehe das nicht als Widerspruch, sondern als Ergänzung. Zwei weitere Aspekte, die man berücksichtigen sollte, sind die Angebotsstruktur und das Thema Log-Volumen, besonders bei SOC- oder SIEM-Ausschreibungen. Es ist oft schwierig, Fragen wie das benötigte Log-Volumen zu beantworten, besonders wenn man kein vorhandenes SIEM hat. Diese Fragen führen oft zu wiederholten Diskussionen und Unklarheiten, was sowohl frustrierend als auch ineffizient ist. Es überrascht mich, dass wir 2023 immer noch mit denselben Fragen arbeiten müssen. Meiner Meinung nach sollte das nicht der Fall sein. Ein PoC bleibt dennoch wichtig, um festzustellen, ob eine Lösung tatsächlich funktioniert. Allerdings gibt es technische Fragen, die dabei oft unbeachtet bleiben. Beispielsweise gibt es Anbieter, die keinen PoC anbieten oder Vertragsstrafen verhängen, wenn man den Vertrag vorzeitig kündigen möchte. Wir versuchen stattdessen, Vereinbarungen zu treffen, die eine vorzeitige Kündigung ermöglichen, ähnlich einem PoC. Diese Flexibilität ist wichtig, um zu entscheiden, ob die Lösung tatsächlich passt.

Nico Werner: Also unterstützt ihr praktisch eure Kunden bei der Ausformulierung ihrer Ausschreibungen. Das bedeutet, ihr bringt euer Fachwissen ein, um zu zeigen, wie man solche Situationen umgehen kann, wie du gerade erwähnt hast. Wenn ein Anbieter sagt, dass es kein PoC gibt, kann man das entsprechend in die Ausschreibung aufnehmen, um am Ende keine unangenehmen Überraschungen zu erleben.

Simeon Mussler: Genau, je genauer man das im Voraus definiert, desto mehr Spielraum gibt es in den Verhandlungen. Das ursprüngliche Angebot ist oft verhandelbar, da kann man noch viel herausholen. Aber es geht vor allem um die Vergleichbarkeit. Es ist oft der erste Punkt, an dem Angebote scheitern. Wenn ich unterschiedliche Angebote einhole, aber keine Vergleichbarkeit herstelle, habe ich am Ende zehn PDF-Dateien mit vielen Seiten Anhang, die ich mühsam vergleichen muss. Viele Organisationen können das selbst, aber es erfordert Aufmerksamkeit, ein solides Lastenheft oder Standards festzulegen und dann Angebote auf gleicher Basis einzuholen. Bei unserem Umgang mit SIEM und Log-Volumina verwenden wir oft einen Referenzpreis. Wir geben unsere Infrastruktur an und fragen die Anbieter, wie viel Log-Volumina sie für bestimmte Kapazitäten anbieten können. So haben wir Vergleichbarkeit, anstatt in einem Durcheinander von verschiedenen Angaben zu enden.

Nico Werner: Ich finde es besonders spannend, vor allem die Ansätze, die ihr verfolgt. Vielen Dank dafür, dass du so ausführlich darüber gesprochen hast. Transparenz ist mir wichtig: Ihr habt mich nicht gekauft, im Gegenteil, wir haben gemeinsam beschlossen, so etwas zu machen, weil ich es faszinierend und euer Unternehmen wirklich interessant finde. Ich habe selbst mit euch gearbeitet, daher finde ich es auch für Zuhörer interessant zu wissen, wie die Zusammenarbeit mit euch aussehen kann. Wenn ich als Unternehmen interessiert bin, wie würde die Zusammenarbeit mit euch aussehen? Und als Abschlussfrage: Arbeitet ihr mit jedem zusammen? Könnte ich beispielsweise als Dienstleister oder Hersteller von Cybersecurity auf euch zukommen? Das wäre vielleicht interessant für all diejenigen interessant, die vor der Entscheidung stehen: Mache ich alles allein oder schaue ich mir auch Lösungen wie bei Bosch CyberCompare an.

Simeon Mussler: Es gibt aus meiner Sicht zwei Richtungen, je nach Kundengruppe und den jeweiligen Themen. Wenn es um einfache Anfragen wie Penetrationstests geht oder man eine externe Perspektive benötigt, bis hin zu komplexeren Themen wie OT – sei es OT-Backup, OT-Remote-Zugriff oder die Entwicklung eines Konzepts –, hier können Sie sich gerne an uns wenden. Wir haben bereits viel in diesem Bereich veröffentlicht und versucht, den Menschen einen guten Start zu ermöglichen. Besuchen Sie einfach unsere Homepage oder kontaktieren Sie mich. Dieses Vorgehen funktioniert sehr gut, unabhängig von der Vielfalt der Themen. Auf der Anbieterseite ist es so, dass wir im Grunde genommen nur wissen müssen, was ein Anbieter in seinem Portfolio hat. Diese Informationen können gerne an uns herangetragen werden, da wir dann im Rahmen der Ausschreibung tätig werden. Unsere Expertise liegt nicht nur im Ausschreibungsprozess, sondern auch im Kenntnisstand des Marktes. Basierend darauf schlagen wir unseren Kunden in der Regel eine Liste von Anbietern vor, die wir bereits vorselektiert haben. Um das zu ermöglichen, müssen wir natürlich über ein breites Wissen über den Markt verfügen. Wenn also noch keine bestehende Beziehung oder Kontaktaufnahme stattgefunden hat, zögern Sie nicht, sich direkt an uns zu wenden. Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die meisten Anbieter zumindest im Blick haben.

Nico Werner: Vielen Dank für deine ausführlichen Einblicke. Es hat mir wirklich Spaß gemacht, über dieses Thema zu sprechen. Angesichts der Uneindeutigkeit in unserer Abstimmung schlage ich vor, dass wir uns Zeit nehmen, um auch die anderen Themen in kommenden Folgen zu behandeln. Ich denke, der heutige Podcast war sehr bereichernd. Mein Bauchgefühl sagt mir, dass der Markt enorm groß ist und für uns alle genug Raum bietet, ohne uns gegenseitig zu bekämpfen. Es gibt genug vom Kuchen für alle, und es ist entscheidend, unsere Kunden zufriedenzustellen.

Das sollte das oberste Ziel sein – ihnen echte Lösungen anzubieten, nicht nur von A nach B zu eilen und dann weiterzumachen. Ich bewundere, was ihr hier macht. Die Idee ist großartig, und ich wünsche euch weiterhin viel Erfolg für die Zukunft. Ein herzliches Dankeschön für deine Teilnahme und viel Spaß – wir hören uns in der nächsten Folge wieder!

Simeon Mussler: Vielen Dank Nico!

Nico Werner: Bis dann, Tschüss!

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